Baubeginn für das „Dramatische Theater Karlshorst“ war der 14. Februar 1948. Im Herbst 1949 wurde es als Haus der Offiziere eröffnet. Architekt war nach Anatoli Jakowlew der Chefarchitekt der Roten Armee, General Kriwuschenko, der in Moskau durch verschiedene Gesellschaftsbauten hervorgetreten ist. (Zentraltheater der Sowjetarmee, Studio der Künstler der Sowjetarmee, Zentralmuseum der Armee). Am Bau waren Unternehmen aus allen Berliner Besatzungssektoren beteiligt.  Große Schwierigkeiten bereiteten mehrfache Projektveränderungen, Mangel an Material, Baumaschinen und Transportkapazitäten, gesperrte Lieferungen aus der amerikanischen in die sowjetische Besatzungszone Berlins, Finanzprobleme durch die Währungsspaltung in Berlin. Es war ein Reparations-und Befehlsbau, „Militärobjekt Nr. 5“ in Karlshorst, an dem sich noch heute Diskussionen über Historisches und Zukünftiges entzünden.

Einerseits ist er Ausdruck für die Hochachtung deutscher Kultur durch sowjetische Offiziere. Die sowjetische Besatzungsmacht orientierte nach der Niederringung des nationalsozialistischen Deutschlands auf eine rasche Wiedereröffnung von Theatern, Opernhäusern, Kinos, Bibliotheken und Lehrstätten, um die humanistische deutsche Kultur wieder wach zu rufen, in der jüngeren Generation bekannt zu machen und den Ungeist der Jahre von 1933 bis 1945 in den Köpfen zu tilgen.Zugleich schuf sichdie sowjetische Besatzungsmacht mit dem „Dramatischen Theater Karlshorst“ ihr eigenes kulturelles Zentrum. Künstler und Ensembles von Weltruf, wie zum Beispiel David Oistrach, Galina Uljanowa, die Pekingoper, traten in Karlshorst auf, das Alexandrow-Ensemble der Roten Armee wie der weltberühmte (originale) Kosakenchor gastierten hier. Mit dem Bau des Theaters veränderte sich das Zentrum von Karlshorst grundlegend und nachhaltig. Der Abriss der Ruine Treskowallee 99 / Ecke Ehrenfelsstraße, ehemals „Restaurant Zum Kurfürst“, und der Abbau des zweigeschossigen Doppelwohnhauses Ehrenfelsstraße 2-4 ermöglichten eine große Freifläche mit Wasserbecken, Springbrunnen und Grünanlagen als Vorfeld für einen repräsentativen Eingang in das Theater. Der Zugang zum Saal des ehemaligen „Deutschen Hauses“ gegenüber dem Bahnhof wurde geschlossen, der Saal selbst angepasst in den Theaterbau einbezogen. Technische Einrichtungen, der Bühnenturm und eine Trafostation entstanden neu. Zwischen Ehrenfelsstraße und Stolzenfelsstraße wurde eine Durchgangsstraße als Betriebsweg angelegt (heute Theatergasse). Östlich schloss sich eine Grenzmauer mit vorgebauter Pergola an. Später folgte hinter der Grenzmauer der Bau eines massiven „Kulissenwerkstattschuppens“. Mit dem 1.  August 1948 wechselten sowohl die sowjetische Bauleitung wie auch die Theaterleitung. Die technische und künstlerische Bauleitung oblag nun allein dem 41jährigen Architekten Hans Schaeffers (1907 -1991). Inwieweit sich Schaeffers streng an die Vorgaben hielt oder Eigenes einbrachte, lässt sich anhand der verfügbaren Dokumente nicht nachvollziehen. Schaefers selbst wuchs in den fünfziger zu einem anerkannten Architekten (West) –Berlins heran. Bis 1994 blieb das Theater mit wechselnden Trägerschaften zwischen Armee und Botschaft in sowjetisch/russischer Hand. Seit 1963/1966 konnten auch Deutsche das großzügige Foyer und den 600 Gäste fassenden, leicht geneigten Saal mit den umlaufenden Rängen und der hervorragenden Akustik genießen.

Vom Fall der Berliner Mauer 1989 blieb das „Militärobjekt Nr. 5“ in Karlshorst (Wolfgang Schneider) nicht unberührt. Bereits am 23. Februar 1994 begann mit einer gemeinsamen Einzugsfeier deutscher und sowjetischer Künstler eine neue Nutzungsperiode des Hauses. Ballett, Oper, Musicals, Montagskino für die Kinder, Sonntagskonzerte für die ganze Familie und mehr zeigen die Programmzettel. Wegen fehlender technischer Einrichtungen, u.a. des Eisernen Vorhangs, wurde das Theater 1994 geschlossen. 1995 wurde es neu eröffnet, den Eisernen Vorhang hatte Mercedes Benz finanziert. 1997 übernahm der Verein Theater Karlshorst ein ABM Projekt und erreichte mit Künstlern des Metropoltheaters einen weiteren Aufschwung in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Grenzen nicht subventionierter Kunstproduktion konnten allerdings nicht überschritten werden. Der Verein ging in Liquidation und die Karin Müller-Kunstconsulting übernahm zum 1. April 2000 das Theater. Im Jahr 2008 beginnt das dritte Leben des Theaters. Die Sanierung des Hauses und der Umbau als künftiges Domizil der Musikschule Lichtenberg werden begonnen. Das Erdgeschoß beherbergt ein Restaurant. Nunmehr ist das gewohnte Theatererlebnis mit Kulissenwechsel und Maske nicht mehr möglich. Ab September 2009 ist das Haus mit Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Eltern belebt, der Saal bleibt leer. Es gab viele Projekte seiner Nutzung, keines setzte sich durch. Die Freifläche vor dem Theater wird neugestaltet, erhält den Namen Johannes-Fest-Platz und zu einem beliebten Treffpunkt der Einwohner.

Prof. Dr. Michael Laschke

    Foto & Copyright: Mila HackeFoto & Copyright: Mila HackeFoto & Copyright: Mila HackeFoto & Copyright: Mila HackeTheater Karlshorst, Haus der Offiziere Karlshorst Deutsch-Sowjetische Freundschaft; Foto: Zentrales Haus des DSF, Quelle & Copyright: Gesellschaft für Bundesarchiv Bildarchiv SAPMO (BildY 5-254-04)Theater Karlshorst, Haus der Offiziere Karlshorst Deutsch-Sowjetische Freundschaft; Foto: Zentrales Haus des DSF, Quelle & Copyright: Gesellschaft für Bundesarchiv Bildarchiv SAPMO (BildY 5-254-05)Theater Karlshorst, Haus der Offiziere Karlshorst Deutsch-Sowjetische Freundschaft; Foto: Zentrales Haus des DSF, Quelle & Copyright: Gesellschaft für Bundesarchiv Bildarchiv SAPMO (BildY 5-254-06)Theater Karlshorst, Haus der Offiziere Karlshorst Deutsch-Sowjetische Freundschaft; Foto: Zentrales Haus des DSF, Quelle & Copyright: Gesellschaft für Bundesarchiv Bildarchiv SAPMO (BildY 5-254-01)Theater Karlshorst, Haus der Offiziere Karlshorst Deutsch-Sowjetische Freundschaft; Foto: Zentrales Haus des DSF, Quelle & Copyright: Gesellschaft für Bundesarchiv Bildarchiv SAPMO (BildY 5-254-03)Theater Karlshorst, Haus der Offiziere Karlshorst; Quelle: Museum Lichtenberg, Archiv, Copyright: Museum Berlin-LichtenbergFoto & Copyright: Mila HackeFoto & Copyright: Mila HackeFoto & Copyright: Mila Hacke

    Quellen

    • Recherchen LAB Walter Fauck
    • Günther Kühne „Porträt Hans Schaefers“, 1995
    • Informationen von Thomas Schaefers und Anatoli Jakowlew
    • Theater Karlshorst, Sammlung Geschichtsfreunde Karlshorst

    Dramatisches Theater Karlshorst
    Treskowallee 111
    (erbaut 1948 als (sowjetisches) „Dramatisches Theater Karlshorst“, ehem. ab 1966 „Haus der Offiziere“, Theater und Kulturhaus, heutiger Eigentümer Stiftung Stadtkultur Howoge, Sanierung des Theaters)

    erbaut 1948 als Dramatisches Theater Karlshorst
    Datierung:1948-1949
    Bauherr: Sowjetische Militär-Administration (SMAD)
    Heute: Eigentümer Stiftung Stadtkultur Howoge
    Baudenkmal